Jetzt hat das Thema Übergewicht auch Einzug in die Politik gehalten. Die Deutschen sind zu dick und daher überlegen Schmidt, Seehofer und Co. , wie sie das Problem Übergewicht und die damit verbundenen Erkrankungen wieder in den Griff bekommen. Eine Idee: die Nasch-Steuer. Schokolade und Chips werden einfach teurer.
Davon hält Professor Doering, Ärztlicher Direktor der DEKIMED®, wenig. Sein Therapiekonzept setzt neben der Behandlung der gesundheitlichen Folgen des Übergewichts auf ein individuelles Gesundheitstraining, bei dem die Patienten lernen, ihre Risikofaktoren zu meiden und ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten so umzustellen, dass ein lang anhaltender Therapieerfolg erzielt werden kann. Im Interview erläutert er das integrative Konzept.
Übergewicht – also Adipositas – ist für viele Patienten ein Thema. Worin besteht medizinisch gesehen die Gefahr?
Prof. D.: Neben den bekannten negativen Wirkungen auf die Gelenke kann sich aus dem Übergewicht ein Metabolisches Syndrom entwickeln.
Was ist das genau?
Prof. D.: Vom Metabolischen Syndrom spricht man, wenn Übergewicht, Diabetes oder erste Anzeichen einer Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck vorliegen. Einen Hinweis auf das Metabolische Syndrom bietet ein erhöhter Taillenumfang. Fettdepots im Bauchraum sind sehr stoffwechselaktiv und haben daher einen besonderen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel. Das Metabolische Syndrom wird auch als das „tödliche Quartett“ bezeichnet, weil dies der entscheidende Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen oder Schlaganfall ist.
Es handelt sich also um eine komplexe und schwerwiegende Erkrankung. Worin besteht da der integrative Therapieansatz?
Prof. D.: Die Ursachen liegen zum einen in einer ererbten Neigung, zum anderen ist die Erkrankung eine Folge des Lebensstils. Hier setzt das integrative Therapiekonzept der DEKIMED® an. Während der dreiwöchigen Rehabilitation können erste Schritte in Richtung Gewichtsreduktion unternommen werden. Um eine Herz- und Kreislauf- Erkrankung langfristig in den Griff zu bekommen, müssen Patienten ihren Lebensstil dauerhaft umstellen. Das heißt: mehr Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und Stress, Alkohol und Zigaretten reduzieren. Das Gesundheitstraining spielt daher neben der medikamentösen Behandlung der Symptome die zentrale Rolle.
Wie sieht die Behandlung dann konkret bei einem Patienten aus, der z. B. bereits eine koronare Herzerkrankung hat, sich zu wenig bewegt, ungesund ernährt und übergewichtig ist?
Prof. D.: Im Gespräch nimmt sich der betreuende Arzt Zeit, die Ursachen und Symptome zu analysieren. Danach wird der Therapieplan besprochen. Er besteht zunächst aus individuellen Therapien. Hohe Zucker- und Cholesterinwerte sowie zu hoher Blutdruck müssen zumeist medikamentös behandelt werden.
Durch ergänzende naturheilkundliche (z. B. blutdruckregulierende kneippsche Anwendungen) und fernöstliche Therapiemethoden (z. B. Akupunktur, die den Appetit „zügelt“) können die Medikamente aber oftmals langsam reduziert werden. Mit einer individuellen Ernährungsberatung begleiten wir die Ernährungsumstellung unserer Patienten. Bewegung, z. B. Wassergymnastik oder Nordic-Walking-Training an der frischen Luft, hilft bei der Gewichtsreduktion und bringt den Kreislauf in Schwung.
Ganz wichtig in der Therapie sind die spezifischen Aspekte. Dafür bieten wir diagnosespezifische Module zur Krankheitsbewältigung. Nichts ist schwerer, als sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten zu verabschieden. In verschiedenen Trainingseinheiten setzen sich Patienten mit ihrem jetzigen Lebensstil auseinander. Unter fachlicher Anleitung von Ernährungsfachleuten, Sportlehrern und Psychologen werden individuelle Risikofaktoren und deren Verminderung erörtert.
Um gesundheitsförderndes Verhalten zu trainieren, setzen wir außerdem auf das Gesundheitstraining, welches diagnoseübergreifend konzipiert ist. Während des gesamten Aufenthaltes in der DEKIMED® sind Patienten in einer Gruppe von 12 bis 16 Patienten und haben einen Gesundheitstrainer als Ansprechpartner. So kann sich eine positive Gruppendynamik entwickeln, die den therapeutischen Prozess fördert.
Diagnosespezifische Therapiekonzepte DEKIMED®-Adipositasmodul „Rundum zufrieden“
Ziel der therapeutischen Bemühungen ist eine Lebensstilmodifikation, die eine dauerhafte Stabilisierung des Körpergewichts ermöglicht. Dies beinhaltet zum einen eine langfristige Ernährungsumstellung hin zu einer fettreduzierten, vollwertigen Ernährung sowie einen verantwortlichen Umgang mit Genuss und Verzicht im Rahmen eines flexiblen Essverhaltens. Von ebenso großer Bedeutung sind regelmäßige körperliche Aktivität und das Erlernen von Maßnahmen zur Stressbewältigung.
DEKIMED®-Bluthochdruckmodul
Durch das strukturierte Hypertonie-Schulungsprogramm lernen die Patienten die Risikofaktoren und die Folgeerkrankungen des Bluthochdrucks kennen. Eine weitere Unterrichtseinheit beschäftigt sich mit der notwendigen Ernährungsumstellung, der eventuell notwendigen Gewichtsreduktion und den positiven Aspekten der Bewegungstherapie.
DEKIMED®-Diabetesmodul
Zu den Zielen des Moduls zählen die Gestaltung einer ausgewogenen Ernährung sowie entsprechende Hilfestellung bei der Auswahl der Mahlzeiten. Von besonderer Bedeutung sind Bewegung, Gewichtsnormalisierung sowie der Umgang mit der Erkrankung. Einzelschulungen finden bei speziellen Problemen (medikamentöse Umstellung, Sport, Schwangerschaft u. a.) und auf Nachfrage statt.