Die Ausleitungsverfahren gehören zu den ältesten Behandlungsverfahren überhaupt. Mittels Blutegel, Aderlass, Schröpfen oder auch milden Abführmitteln wird versucht, den Organismus so zu entlasten, dass Funktionsstörungen aufgehoben werden und der Stoffwechsel wieder optimal funktionieren kann.

- Schröpftherapie
Dem Patienten werden auf bestimmte Hautareale am Rücken Gläser aufgesetzt, in denen ein Vakuum erzeugt worden ist. Durch den dabei entstehenden Saugeffekt entwickeln sich Blutergüsse, welche durch die Reizung der Haut die spezifische Genesung fördern. Bei der blutigen Schröpftherapie wird die Stelle zuvor angeritzt. Beide Therapien können z. B. bei Rückenschmerzen, funktionellen Herzbeschwerden oder schmerzhaft verspannter Muskulatur angewendet werden.
- Blutegelbehandlung
Hierbei werden Egel einzeln auf bestimmte Hautareale gesetzt, wo sie etwa 15 bis 20 Minuten Blut saugen und währenddessen eine Vielzahl u. a. entzündungshemmender und gerinnungsaktiver Substanzen freisetzen. Darüber hinaus helfen Blutegel bei rheumatischen Erkrankungen, arterieller Hypertonie, bei venösen Erkrankungen (Krampfadern) und bei Arthrosen (z. B. Kniegelenk, Schultergelenk, Sprunggelenk).
- Aderlass
Beim therapeutischen Aderlass werden ein- bis zweimal die Woche 100 bis 150 Milliliter Blut entnommen. Der Körper reagiert auf die Blutentnahme mit der Bildung von roten Blutkörperchen. Die Therapie wirkt in besonderem Maße bei Durchblutungsstörungen und Stoffwechselerkrankungen.
- Ausleitungsmethoden über Darm und Nieren
Durch verdauungsfördernde Nahrungsmittel kann der Körper von schädlichen Substanzen befreit werden. Dabei können abführende Mittel, wie z.B. der Sennesblätter/-früchtetee angewendet werden.
- Cantharidenpflaster
Bei diesem Heilverfahren werden Pflaster verwendet, die mit einer bestimmten Cantharidin-Salbe bestrichen sind. Dieser Wirkstoff wird aus dem getrockneten "Spanischen Käfer" (auch "Spanische Fliege" genannt) gewonnen. Das Pflaster verbleibt im Normalfall etwa 8 bis 12 Stunden auf der entsprechenden Hautstelle und reizt diese. Es entsteht eine Blase wie bei einer Verbrennung 2. Grades, die dann steril eröffnet und verbunden wird. Die Cantharidenpflaster wirken durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. Hauptanwendungsgebiet sind Gelenkathrosen, Stirn- und Nasennebenhöhlenvereiterungen.
- Baunscheidtverfahren
Beim Baunscheidtverfahren wird mit einer Nadelrolle die oberste Hautschicht flächig gestichelt und anschließend ein Spezialöl aufgetragen, das die vorübergehende Bildung von flüssigkeitsgefüllten Bläschen (Quaddeln) bewirkt. Dies ist eine bewährte Therapieform bei rheumatischen Beschwerden, degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule und Gelenke, Nervenschmerzen und bei Fehlfunktonen innerer Organe wie z. B. Reizmagen, Reizdarm, chron. Obstipation.